Mit zahlreichen Veranstaltungen wird im April 2010 in Brandenburg an die Befreiung der Häftlinge aus den Konzentrationslagern der Nazis erinnert. Mehrere hundert Überlebende werden an den Gedenkveranstaltungen teilnehmen.
Der Todestag von Georg Elser
Am 9. April lädt die Courage-Elser Initiative zu einer Lesung mit Jutta Limbach in das Bürgerzentrum Oranienburg ein. Anlässlich seines 65. Todestages spricht die ehemaligen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts über den schwäbischen Arbeiter und sein Attentat auf Adolf Hitler am 8. November 1939. Georg Elser war als "Sonderhäftling" von Adolf Hitler in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau inhaftiert und wurde am 9. April 1945 auf dessen Befehl hingerichtet. Gezeigt wird dazu die Plakatausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand "Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939". Eine weitere Ausstellung über Geord Elser wird am 17. April um 11:00 Uhr im Zellenbau des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen eröffnet.
Konzentrationslager Oranienburg
In dem bereits im März 1933 von der SA eingerichteten Lager mitten in der Stadt Oranienburg waren bis zum Juli 1934 etwa 3.000 Menschen inhaftiert. Mindestens 16 Gefangene wurden von den Wachmannschaften umgebracht, unter ihnen der anarchistische Schriftsteller Erich Mühsam. Am 13. April wird, organisiert vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland, an die Häftlinge am Gedenkstein an der Berliner Straße erinnert. Um 16:00 Uhr sprechen Günter Morsch, der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, und Hans-Joachim Laesicke, der Bürgermeister Oranienburgs.
Erinnerung an die Todesmärsche
Am 16. April wird um 14:00 Uhr die Todesmarsch-Gedenkstätte im Belower Wald wieder eröffnet. Eine neue Freiluft-Ausstellung erinnert an den Todesmarsch der Häftlinge aus Sachsenhausen. Am 21. April 1945 hatten die Nazis etwa 33.000 Gefangene in großen Kolonnen in das Waldstück bei Wittstock getrieben. Tausende der entkräfteten Häftlinge starben, bevor die Wachmannschaften Ende April 1945 flohen. Bei der Veranstaltung sprechen unter anderen Überlebende des Todesmarsches aus Israel und Frankreich sowie Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierungen von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Konzentrationslager Ravensbrück
Das Frauenkonzentrationslager bei Fürstenberg wurde 1939 errichtet. 1941 wurde ein Männerlager angegliedert, ein Jahr darauf das Mädchen-KZ Uckermark. Bis 1945 wurden im Lagerkomplex Ravensbrück etwa 132.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1.000 Mädchen als Häftlinge registriert. Zehntausende wurden ermordet, starben an Hunger, Krankheiten oder durch medizinische Experimente.
Am 17. April findet in der Mahn-und Gedenkstätte Ravensbrück zunächst um 10:00 Uhr die Lesung "Témoignages – Textcollage aus Erinnerungsberichten" statt. Zwischen 11:30 und 15:00 Uhr werden mehrere Gedenktafeln eingeweiht, bevor um 15:00 Uhr auf dem ehemaligen Appellplatz die Operette "Le Verfügbar aux Enfers" aufgeführt wird. Die Résistance-Kämpferin Germaine Tillion schrieb das Stück heimlich und ohne Instrumente während ihrer Haft in Ravensbrück.
Am 18. April findet ab 10:00 Uhr die zentrale Gedenkveranstaltung statt, bei der Annette Chalut, Präsidentin des Internationalen Ravensbrück-Komitees, Ministerpräsident Matthias Platzeck und Bundeskanzlerin Angela Merkel sprechen und die Schauspielerin Iris Berben aus Erinnerungen ehemaliger Häftlinge liest. Im Anschluss findet um 12:00 Uhr das Gedenken im Männerlager und um 14:00 Uhr eine Veranstaltung am Ort des ehemaligen Jugendschutzlager Uckermark statt. Um 16:00 Uhr werden von der Österreichischen Lagergemeinschaft im Seminarhaus in Ravensbrück zehn Videoportraits ehemaliger Häftlinge vorgestellt.
Konzentrationslager Sachsenhausen
Die Veranstaltungen in der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg finden parallel zu jenen in Ravensbrück statt. In Sachsenhausen waren mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen um oder wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen; so wurden ab 1941 zwischen 13.000 und 18.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet.
Am 17. April lädt die Gedenkstätte ab 13:00 Uhr zu einem Tag der Begegnung ein, in dessen Rahmen mehrere Veranstaltungen stattfinden und Besucherinnen und Besucher Gespräche mit ehemaligen Häftlingen führen können. Zunächst wird die Ausstellung "Das kann man gar nicht begreifen, dass man plötzlich frei ist" eröffnet, die entlang der ehemaligen Lagerstraße großformatige Bilder und Zeitzeugenberichte über die Befreiung zeigt. Dabei wird der ukrainische Überlebende Vladimir Woewodschenko über seine Erinnerungen sprechen. Um 15:00 Uhr wird der Film "Ich habe Glück gehabt, wie man es kaum beschreiben kann" über den flämischen Überlebenden Charles Dekeyser uraufgeführt. Um 17:00 Uhr endet das Programm mit der Verleihung des "Oranienburger Toleranzpreises". Mit dem erstmals von der Stadt Oranienburg und der Gedenkstätte Sachsenhausen vergebenen Preis werden Initiativen aus dem Land Brandenburg geehrt, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzen.
Die zentrale Gedenkveranstaltung in Sachsenhausen findet am 18. April ab 14:00 Uhr statt. Als Redner sind Roger Bordage, der Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees, Ministerpräsident Matthias Platzeck und Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, sowie der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, und der Sachsenhausen-Überlebende Juraj Herz angekündigt.
Hinweise für Besucherinnen und Besucher
Bei einigen der Veranstaltungen ist eine vorherige Anmeldung und die Vorlage eines gültigen Ausweisdokuments erforderlich. Bitte sehen Sie sich das detaillierte Programm und entsprechende Hinweise auf den Internetseiten der Gedenkstätten an.
