Bad Belzig: "Ihr gehört zu uns"

Samstag, 23. November 2013
Gegendemonstrant_innen vor NPD-Demo, Bad Belzig, 23.11.2013

INTERVIEW In Bad Belzig folgten heute etwa 150 Bürgerinnen und Bürger dem Aufruf der parteilosen Bürgermeisterin Hannelore Klabunde zum Protest gegen eine NPD-Demonstration.

2015 soll das seit 20 Jahren in der Kreisstadt von Potsdam-Mittelmark bestehende Übergangswohnheim für Asylbewerber ausgebaut werden. In einer Informationsveranstaltung des Landkreises am vergangenen Montag wurde die Nachricht von den meisten der zahlreich anwesenden Bürgerinnen und Bürgern mit Beifall quittiert. Seit einigen Wochen wird jedoch im Internet unter der Parole "Nein zum Heim" gegen das Bad Belziger Übergangswohnheim gehetzt.

Unter demselben Motto hatte der NPD-Verband Havel-Nuthe für dem heutigen Samstag eine Mahnwache in Bad Belzig angekündigt. Etwa 25 Neonazis sammelten sich am Vormittag in der Innenstadt und hörten den Reden von Parteifunktionär_innen aus Bernau und Baruth (Mark) zu. Etwa einhundert Meter entfernt sammelten sich etwa 150 Bürgerinnen und Bürger zu einer Demonstration, bei der die Bürgermeisterin Hannelore Klabunde eindringlich dazu aufrief, "gegen diejenigen, die gegen das friedliche Zusammenleben hetzen, immer und überall Partei zu ergreifen".

Frau Klabunde, dort hinten steht die NPD, Sie haben hier eine Gegendemonstration organisiert. Warum?

Wir haben hier seit vielen Jahren ein Übergangswohnheim. Es ist uns in dieser Situation wichtig zu dokumentieren, dass wir in der Stadt fest zu dem Zusammenleben stehen. Wir wollen unseren Mitbewohnern zeigen, dass wir ihnen hier eine Heimat und eine Sicherheit geben wollen. Wir wollen ihnen sagen: Ihr gehört zu uns.

Ist das gelungen, sind Sie zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden! Es sind 150 Bad Belzigerinnen und Bad Belziger hier, nicht nur die Vertreter der Parteien, Junge und Ältere, eine gute Mischung. Wir haben hier in der Stadt das Belziger Forum gegen rechte Gewalt. Man kann sich darauf verlassen, dass dieses Forum der Stadt und auch der Stadtspitze zur Seite steht, wenn es darauf ankommt.

Befürchten Sie, dass es weitere Aktionen der NPD geben wird?

Es gibt hier einige wenige, die wir kennen, die zur rechten Szene gehören. Aber die meisten Teilnehmer der rechten Veranstaltung heute sind angereist.

Es gibt aber auch zwei Facebook-Seiten, auf denen gegen das Übergangswohnheim in Bad Belzig polemisiert wird.

Ja. Im Internet wird schnell etwas geklickt, weil es anonym ist. Damit müssen wir wohl leben. Aber ich habe von vielen Bürgerinnen und Bürgern - da meine ich jetzt die, die heute nicht hier waren - gehört: Wir haben noch nie Probleme mit den Leuten aus dem Übergangswohnheim gehabt. Die Rechten sollen die Leute in Ruhe lassen, die wollen doch nur Theater machen, das schadet dem friedlichen Zusammenleben und dem Ansehen unserer Stadt.

Sie sind also optimistisch?

Wenn ich sehe, wie hier in der Stadt gedacht wird, auch über Parteigrenzen hinweg, da habe ich wenig Sorge; nein, eigentlich habe ich gar keine Sorge.