"Demokratie ist kein Golfklub"

Samstag, 2. Oktober 2010

In einer Stellungnahme anlässlich des 20. Jahrestages der Vereinigung wenden sich Intellektuelle gegen die aktuelle Integrationsdebatte und fordern ein Ende der Ausgrenzung von Migrantinnen und Migranten.

Der mit "Demokratie statt Integration" überschriebene Text wurde am Freitag auf der Titelseite der taz und im Internet veröffentlicht. 400 Personen, überwiegend Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, unterstützen die Erklärung, die vom Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung initiiert wurde. Nach 24 Stunden sind weitere 600 Unterschriften hinzugekommen.

Die Erklärung ist keine Erwiderung auf Thilo Sarrazins Thesen, vielmehr wenden sich die Unterzeichnenden gegen die Haltung, nach der er im Kern Recht habe und nur ausspreche, was viele denken, aber nicht zu sagen wagen. In deutlichen Worten verurteilen sie das "Durchrechnen" von Armen und Migrantinnen und Migranten in der gegenwärtigen Integrationsdebatte:

Wir wollen das Offensichtliche klar stellen. Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft. Das bedeutet: Wenn wir über die Verhältnisse und das Zusammenleben in dieser Gesellschaft sprechen wollen, dann müssen wir aufhören, von Integration zu reden. Integration heißt, dass man Menschen, die in diesem Land arbeiten, Kinder bekommen, alt werden und sterben, einen Verhaltenskodex aufnötigt, bevor sie gleichberechtigt dazugehören. Aber Demokratie ist kein Golfclub. Demokratie heißt, dass alle Menschen das Recht haben, für sich und gemeinsam zu befinden, wie sie miteinander leben wollen. Die Rede von der Integration ist eine Feindin der Demokratie.

Die Stellungnahme richtet sich auch gegen die Anrufung der Meinungsfreiheit zugunsten einer Diskussion über Sarrazins bevölkerungspolitische Ansichten, "ganz so, als ob er ein Problem hätte, seine Thesen öffentlich zu machen".

Der Text steht auf der Webseite des Netzwerks Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung:

http://www.demokratie-statt-integration.kritnet.org