Engagement gegen Rassismus ausgezeichnet

Montag, 5. Juli 2010
Gemeinsames Gärtnern im Integrationsgarten in Potsdam-Schlaatz

Fünf Initiativen aus Berlin und Brandenburg wurden am 2. Juli in der Potsdamer Staatskanzlei mit dem "Band für Mut und Verständigung 2010" geehrt - unter ihnen drei Mitglieder des Aktionsbündnisses.

Ausgezeichnet wurden das Bündnis gegen Rechtsextremismus in Wittstock und Umgebung, der Integrationsgarten des Brandenburgischen Kulturbundes in Potsdam-Schlaatz und der Berliner Fußballklub Internationale 1980 Berlin. Sonderpreise gingen an die Bürgerinitiative Zossen zeigt Gesicht und die Initiative gegen Rechts Friedrichshain.

Die Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg, Karin Weiss, und der brandenburgische Kulturstaatssekretär Martin Gorholt würdigten im Namen des Bündnisses der Vernunft gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit das Engagement der Preisträgerinnen und -träger. Mit dem Band für Mut und Verständigung ehrt das Bündnis seit 17 Jahren Bürgerinnen und Bürger, die sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus einsetzen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte den Zusammenschluss, dem neben vielen Verbänden auch die Länder Berlin und Brandenburg angehören, 1991 gegründet.

Vor rund einhundert Gästen wurden am Freitag, nach einführenden Worten von Karin Weiss und der Laudatio von Martin Gorholt, drei sehenswerte Kurzfilme gezeigt, in denen die Arbeit der Initiativen vorgestellt wird. Die Filme sind hier zu sehen: http://www.respekt.dgb.de

Das Bündnis gegen Rechtsextremismus in Wittstock und Umgebung enstand um die Jahrtausendwende. Damals gehörte viel Mut dazu, sich offen gegen Rechtsextreme zu stellen, die an den Wochenenden auf dem Marktplatz aufmarschierten. Brutale Gewalttaten erschütterten die Kleinstadt. Die nahe gelegene Todesmarschgedenkstätte wurde niedergebrannt, ein Russlanddeutscher wurde totgeschlagen. Der Wittstocker Bürgermeister dankte dem Bürgerbündnis, dessen beharrlichem Engagement es zu verdanken sei, dass sich das Klima in der Stadt inzwischen deutlich verbessert habe.

Auch der Integrationsgarten im Potsdamer Neubauviertel Schlaatz hat sich gegen massive Gewalt von rechts behaupten müssen. Zwischen den Plattenbauten am Schlaatz gärtnern seit zehn Jahren Nachbarn aus 13 Nationen. Sie haben auf den 3500 Quadratmetern mit Unterstützung des Brandenburgischen Kulturbundes einen Ort geschaffen, der auch für die Schülerinnen und Schüler der benachbarten Grundschule ein Ort des Lernens und der Verständigung im besten Sinn geworden ist. Acht Mal wurde dieses Projekt zerstört, niedergebrannt, mit Hakenkreuzen beschmiert. Die Nachbarn haben sich nicht entmutigen lassen. Carla Villwock vom Brandenburgischen Kulturbund dankte den Vereinen und der Stadt Potsdam, die beim Wiederaufbau des interkulturellen Gartens geholfen haben.

Jörg Wanke, der für die Bürgeriniative aus Zossen den Sonderpreis entgegennahm, strich ebenfalls die Bedeutung der Unterstützung durch verbündete Initiativen und die Landespolitik heraus. Die Mitglieder der Initiative werden von Neonazis bedroht, im Januar 2010 brannte ein junger Rechter gar ihren Treffpunkt, das Haus der Demokratie, nieder. Solidaritätsbekundungen und Hilfe habe die erst 2009 entstandene Bürgerinitiative immer wieder zum Weitermachen ermutigt.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs und Jörg Gehrmann aus Wittstock hatten es sich nicht nehmen lassen, den Bürgerinnen und Bürgern ihrer Gemeinden in der Staatskanzlei als Erste die Hand zu schütteln. Dass dagegen die Zossener Bürgermeisterin Michaela Schreiber nicht zur Preisverleihung erschien, erstaunte nicht. Das Klima zwischen Stadtverwaltung und Bürgerinitiative sei "eisig", so der Versicherungsmakler Jörg Wanke. "Zuerst galten wir als Nestbeschmutzer, jetzt werden wir schon als Linksextremisten verleumdet."