Mit einer friedlichen Sitzblockade haben etwa 500 Bürgerinnen und Bürger am Samstag in Bernau einen rechtsextremen Aufmarsch verhindert. Etwa 100 angereiste Neonazis mussten ihre Demonstration absagen.
Als die Mitglieder der Kameradschaft Märkisch Oder Barnim ab 11.00 Uhr am Bernauer Bahnhof eintrafen, wurden sie zunächst von der Polizei kontrolliert. Dabei wurden Schlagstöcke, ein Messer und sogenannte Quarzhandschuhe beschlagnahmt, drei Personen wurden in Polizeigewahrsam genommen. Etwa 100 Rechtsextreme sammelten sich nach und nach am Busbahnhof.
Unterdessen hatten sich bereits mehrere hundert Demonstrantinnen und Demonstranten auf eine Straßenkreuzung gesetzt und damit den Zugang zur Stadt blockiert. In die erste Reihe hatten sich die Bernauer Bundestagsabgeordnete der Linken Dagmar Enkelmann und der Vorsitzende der grünen Landtagsfraktion Axel Vogel aus dem benachbarten Eberswalde niedergelassen. Bernauerinnen und Bernauer, die um 10.30 Uhr an einer Kundgebung an den Stolpersteinen in der Innenstadt teilgenommen hatten, gesellten sich bald dazu. Während der dreistündigen Sitzblockade wurde aus von den Nazis verbrannten Büchern gelesen, es spielten die Bands Partytour, Melloy und die deutschen Beatboxmeister 4 X Sample, zwischendurch sprachen Unterstützerinnen und Unterstützer des Bündnisses Brandenburg Nazifrei.
Zwischen den Blockierenden und den mehreren hundert Polizeibeamtinnen und -beamten blieb die Stimmung durchweg entspannt. Nur als der Einsatzleiter der Polizei gegen 14.00 Uhr die inzwischen etwa 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sitzblockade zum dritten Mal aufforderte, die Straße zu räumen, kam etwas Unruhe auf. Es rührte sich jedoch niemand, im Gegenteil setzten sich etwa zwei Dutzend Bürgerinnen und Bürger, die bis dahin am Rand gestanden hatten, nun ebenfalls auf die Straße. Daraufhin entschied die Polizei, dass eine gewaltsame Räumung der friedlichen Blockade unverhältnismäßig sei, und teilte dies auch den am Busbahnhof versammelten Neonazis mit.
Die Märkische Oderzeitung beschrieb die Stimmung bei dem einsetzenden Abzug der Neonazis:
"'Sie hauen ab!' Dem Ruf eines Demonstranten folgt erst Stille, dann ohrenbetäubender Jubel auf der Breitscheidstraße. Durch die Polizeiabsperrung hindurch können die Gegendemonstranten eine Fahne mit rechtsradikalen Symbolen zu erkennen, die von einer Gruppe schwarz gekleideter Gestalten vom Busbahnhof in Richtung Bahnhof getragen wird. Kurze Zeit später folgt die zweite Gruppe. Dann ist klar: Die geplante Demonstration der Rechtsradikalen ist gescheitert. In Bernau gab es kein Durchkommen für sie. Auf der Straße herrscht Volksfeststimmung. Bunt gekleidete Menschen jubeln, fallen sich in Arme. Die Erleichterung ist greifbar, auch bei der Polizei, die mit mehreren Hundertschaften auf eine Eskalation vorbereitet war."
Für den kommenden Samstag, 5. Juni ruft das Bündnis Brandenburg Nazifrei dazu auf, am Hauptbahnhof von Eberswalde an Kundgebungen gegen zweiten Aufmarschversuch im Rahmen der von den Neonazis angekündigten Aktionswochen teilzunehmen.
