Rechte Gewaltserie in Bad Belzig

Freitag, 12. November 2010
Beschädigtes Fenster und rechte Schmierereien am Infocafé Der Winkel in Belzig

Rund um den 9. November haben Unbekannte einen "Baum der Gleichheit" ausgerissen, das Mahnmal für die Opfer des Faschismus und den Gedenkstein für ein Todesopfer rechter Gewalt geschändet sowie einen Anschlag auf das Infocafé Der Winkel verübt.

Der Baum, der am 29. Oktober in der Bahnhofstraße gepflanzt worden war, wurde entwurzelt und gestohlen. Der "Baum der Gleichheit" sollte ein Symbol des Respekts und ein Ort des Dialogs sein. Etwa 60 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Pflanzung teil, die vom Belziger Verein Cagintua und dem Migrations- und Integrationsrat Brandenburg organisiert worden war. Auch die Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg, Prof. Dr. Karin Weiss, und Bürgermeisterin Hannelore Klabunde beteiligten sich.

"Die Leute, die dafür verantwortlich sind, werden uns jedenfalls nicht entmutigt sehen", sagte Obiri Mokini vom Verein Cagintua. Auch der Migrations- und Integrationsrat erklärte, man werde sich nicht beirren lassen und weiter für ein friedliches Miteinander eintreten. Unterstützung erhalten die Migrantenorganisationen von Günter Baaske, Brandenburgs Sozialminister und Landtagsabgeordneter aus Belzig, der einen neuen Baum spenden will: "Ich will ihn gemeinsam mit anderen Menschen in Bad Belzig pflanzen, die klar Nein! sagen zu Fremdenhass und Rechtsextremismus. Solche feigen Sauereien dürfen wir nicht zulassen."

Zugleich wurde bekannt, dass das Mahnmal für die Opfer des Faschismus und der Gedenkstein für Belaid Baylal geschändet wurden. Ein Blumengebinde wurde zerstört, auf die Gedenksteine wurden rechtsextreme Aufkleber angebracht. Der marokkanische Asylbewerber war im Jahr 2000 an den Spätfolgen eines rassistischen Überfalls gestorben, dem er 1993 in Belzig zum Opfer gefallen war.

In der Nacht zum Donnerstag schließlich wurden zwei Fensterscheiben der multikulturellen Begegnungsstätte Infocafé "Der Winkel" eingeschlagen und zwei sogenannte Triskelen sowie der Schriftzug "Pro Fa" an die Fassade geschmiert. Die Triskele war das Symbol der SS-Division Langemarck und wird in der Neonazi-Szene unter anderem von dem verbotenen Netzwerk "Blood & Honour" verwendet. Bürgermeisterin Hannelore Klabunde verurteilte die Tat und versicherte den Migrantinnen und Migranten der Stadt ihre volle Unterstützung: "Wir Bad Belziger werden es nicht zulassen, dass rechtsextremes Gedankengut in dieser Stadt Fuß fasst."

Die Kriminalpolizei ermittelt in allen Fällen.