Einen Tag nach der polizeilichen Durchsuchung von 20 Wohnungen und Liegenschaften ihrer Mitglieder gab die Kameradschaft Märkisch Oder Barnim (KMOB) am 3. Juli 2010 ihre Auflösung bekannt. Auch eine am 10. Juli in Manschnow geplante Demonstration wurde abgesagt.
Am Freitag hatten 130 Beamtinnen und Beamte Wohnungen und Gartenlauben von mutmaßlichen Mitgliedern der Kameradschaft durchsucht und die Vereinskasse sowie Mitgliedschaftsunterlagen beschlagnahmt. Die Aktion war vom Innenministerium in Potsdam veranlasst worden, das ein Verbot der in den Landkreisen Barnim und Märkisch-Oderland seit drei Jahren aktiven Truppe prüft.
Noch am Abend nach der Polizeiaktion gaben die mit der KMOB verbündeten Freien Nationalisten Uckermark per Email an die antifaschistische Internetplattform der Uckermark gegenrede.info das Ende ihrer Aktivitäten bekannt. Tags darauf erklärten "der Vorstand und die Gründungsmitglieder" der KMOB auf ihrer Webseite den Verein für aufgelöst und das Zeigen seines Logos fortan für "verboten".
Mit diesen Erklärungen wollen die Neonazigruppen vermutlich einem drohendem Verbot entgegenwirken. Im Jahr 2006 hatten bereits der Märkische Heimatschutz aus dem Nordosten Brandenburgs sowie die Gruppen Sturm Cottbus und Lausitzer Aktionsfront Guben sowie die Gesinnungsgemeinschaft Südost-Brandenburg Auflösungserklärungen verbreitet. Zuvor hatte das brandenburgische Innenministerium den sogenannten Schutzbund Deutschland verboten, der vor allem im Nordwesten des Landes aktiv war, sowie die Kameradschaften Sturm 27 und Hauptvolk aus dem Havelland und die Gruppe ANSDAPO aus Strausberg. Ein großer Teil der Mitglieder wandte sich daraufhin der NPD zu; in Rathenow gründeten die Kameraden kurz nach dem Verbot geschlossen einen neuen Ortsverband der Partei.
Gegen die Aktivitäten der Neonazis im Barnim und in Märkisch-Oderland hat sich seit dem Frühjahr eine vielfältige Koalition von Kommunalpolitikerinnen und -politikern, Verbänden und Vereinen sowie Antifagruppen gebildet, die unter dem Motto "Brandenburg Nazifrei" gegen jeden Auftritt der KMOB mit hunderten Demonstrantinnen und Demonstranten protestierte. Dass die Neonazis mehrfach durch Sitzblockaden an Aufmärschen gehindert wurden, führte zu Zerwürfnissen und einer zunehmenden Isolierung der KMOB in der rechten Szene.
