12 gute Gründe für Bargeldauszahlung

ARGUMENTE
Drei Wertgutscheine

Informieren Sie sich kurz und knapp darüber, weshalb es aus menschlicher, sozialer, wirtschaftlicher und politischer Sicht besser ist, Flüchtlingen die Sozialhilfe in Bargeld statt in Wertgutscheinen auszuzahlen.

 

 

1. Gutscheine behindern die Bildung von Kindern.

Kinder brauchen Spielzeug und Bücher, und sie brauchen Freunde und Spielgefährten, mit denen sie zum Sport oder Kinderfesten gehen können. Aber all das können Eltern ihren Kindern mit Gutscheinen nicht ermöglichen.

2. Gutscheine sind schlecht für die Gesundheit.

Eine Schramme desinfizieren und verbinden, leichtes Fieber senken, eine Schmerztablette geben, dafür geht man nicht zum Arzt, dafür hat man eine Hausapotheke. Flüchtlinge haben das nicht, denn rezeptfreie Medikamente kann man nicht mit Gutscheinen bezahlen. Aber zum Arzt oder zum Gesundheitsamt kann man damit auch nicht fahren.

3. Gutscheine beschränken die freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Sich informieren, die Familie anrufen, Beziehungen pflegen, sich verabreden - kein Problem dank Telefon und Internet. Von Gutscheinen aber kann man weder Telefonkarten noch Briefmarken oder Fahrkarten kaufen. Auch am Zeitungskiosk und im Internetcafe werden keine Gutscheine angenommen.

4. Gutscheine verschlimmern die Armut.

Wer knapp 225 Euro, 62 Prozent der Hartz IV-Leistungen, zum Leben hat, muss jeden Cent umdrehen. Beim Einkauf mit Gutscheinen bekommt man aber nur Rückgeld bis zu zehn Prozent des Einkaufswerts, der Rest wird von den Geschäften einbehalten. Auch kann kein Geld angespart werden, etwa für Geburtstagsgeschenke, denn Gutscheine haben ein Verfallsdatum.

5. Gutscheine führen zu rechtlicher Benachteiligung.

Wer von einem komplizierten Verwaltungsvorgang betroffen ist, von dessen Ausgang sehr viel abhängt, wird sofort zum Anwalt gehen. Vom Asylverfahren hängt es ab, ob Flüchtlinge hier bleiben dürfen oder abgeschoben werden. Aber einen Anwalt, der ihnen ihre Rechte und Pflichten erklärt und sie gegenüber Behörden vertritt, können sie von Gutscheinen nicht bezahlen.

6. Gutscheine erschweren das gesellschaftliche Zusammenleben.

Wenn man zusammen etwas unternimmt und miteinander ins Gespräch kommt, lernt man sich kennen und auch verstehen. Aber Flüchtlinge können weder bei Straßenfesten noch in der Kneipe Kontakte knüpfen, denn dort wird Bargeld verlangt.

7. Gutscheine sind entmündigend.

Es herrscht in Deutschland keine Knappheit an Gütern des täglichen Bedarfs, die eine Ausgabe von Lebensmittelkarten nötig macht. Dass einem Teil der Bevölkerung vorgeschrieben wird, wofür sie in welchen Geschäften ihr Geld ausgeben sollen, erfüllt keinen gesellschaftlichen Zweck außer den, Flüchtlingen das Leben so unangenehm wie möglich zu machen.

8. Gutscheine verzerren den Wettbewerb.

In einer kleinen Kommune sind 50 oder 100 Flüchtlinge eine Kundengruppe. Indem die Verwaltung den Wettbewerb zugunsten einzelner Anbieter verzerrt, schadet sie dem lokalen Einzelhandel, der sein Angebot zum Beispiel auf eine Nachfrage nach kulturspezifischen Produkten einstellen könnte.

9. Gutscheine sind bürokratisch, ineffizient und teuer.

Verwaltungen, die von Gutscheinen auf Bargeld umstellen, können Bürokratie abbauen und Tausende Euro jährlich sparen. Das kommt angesichts der Haushaltslage der Kreise allen Bürgerinnen und Bürgern zu Gute.

10. Gutscheine sind nicht zwingend vorgeschrieben.

Jeder Landkreis kann Gutscheine, wenn er es aus verwaltungsmäßigen Gründen oder wegen der Folgen für die Betroffenen für erforderlich hält, in Überstimmung mit dem Asylbewerberleistungsgesetz durch Bargeld ersetzen. So wird es fast überall in Brandenburg und in vielen Bundesländern rechtssicher praktiziert.

11. Gutscheine sind politisch überholt.

Der Landtag und die Landesregierung Brandenburgs und fast alle Landkreise wollen die Bargeldauszahlung. Der Landkreis Oberhavel ist der einzige in Brandenburg, in dem alle Flüchtlinge Gutscheine bekommen. Unter anderem in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es grundsätzlich gar keine Gutscheine mehr.

12. Gutscheine schaden der Glaubwürdigkeit der Politik.

Es passt hinten und vorne nicht zusammen, wenn Politik und Verwaltung von kultureller Offenheit und Vielfalt als Werte und Standortfaktoren reden, aber selbst nicht handeln, wenn die Möglichkeit besteht, Diskriminierung abzubauen und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Zusammengestellt auf der Grundlage von Informationen und mit Unterstützung des Flüchtlingsrats Brandenburg