Was kann ich tun, wenn Schülerinnen und Schüler rechtsextreme Musik diskutieren wollen?

Donnerstag, 11. März 2010

Eine Schülerin oder ein Schüler bittet Sie, eine Musik-CD im Unterricht abzuspielen, um sich über die Liedtexte zu unterhalten. Sie vermuten, dass es sich um rechtsextreme Musik handelt. Wie gehen Sie als Lehrerin oder Lehrer mit diesem Wunsch um?

1. Entscheidungsfindung

  • Bitten Sie die Schülerin oder den Schüler, die CD zu Hause in Ruhe anhören zu dürfen, um sich auf das Unterrichtsgespräch vorzubereiten. Ist die Schülerin oder der Schüler ernsthaft an einem Gespräch interessiert, wird sie oder er darauf eingehen. Wird Ihnen die CD nicht überlassen, lehnen Sie das Gespräch mit dieser Begründung ab.
  • Prüfen Sie, ob die CD auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) stehen. Die aktuelle Liste indizierter Medien ist im Amtliches Mitteilungsblatt der BPjM enthalten, das Schulen kostenlos bestellen können. Sollte eine CD dort nicht aufgelistet sein, können Sie per E-Mail eine Einzelabfrage bei der BPjM stellen: liste@bundespruefstelle.de.
  • Stellen Sie fest, dass die CD indiziert ist, lehnen Sie das Vorspielen der Musik ab. Sie können der Schülerin oder dem Schüler und gegebenenfalls der Klasse Ihre Entscheidung mitteilen und sich auf die BPjM berufen.
  • Ist die CD nicht indiziert, sollten Sie sich einem Unterrichtsgespräch nicht verweigern. Die Schülerinnen und Schüler werden Ihnen voraussichtlich mit Respekt begegnen, weil Sie sich auf dieses schwierige Experiment einlassen.

2. Vorbereitung des Unterrichtsgesprächs

  • Bedenken Sie, dass rechtsextrem eingestellte Schülerinnen und Schüler das Gespräch nutzen könnten, um für ihre Ideen zu werben. Um dies verhindern zu können, bereiten Sie sich sehr gut und in Ruhe auf das Gespräch vor.
  • Informieren Sie sich über rechtsextreme Musik. Sie können dazu die Hilfe von Beraterinnen und Beratern der RAA Brandenburg in Anspruch nehmen. Im Internet können Sie sich auf folgenden Webseiten informieren:
  • Konzentrieren Sie sich auf einen Titel der CD und notieren Sie sich den Liedtext.
  • Analysieren Sie den Text. Achten Sie auf rassistische, antisemitische und in anderer Hinsicht rechtsextreme Passagen. Markieren Sie sich besonders solche Aussagen, von denen Sie meinen, dass sie über die rechtsextreme Szene hinaus Zustimmung finden könnten. Das könnte zum Beispiel die Forderung nach scharfen Maßnahmen gegen Sexualstraftäter oder gegen Straftäterinnen und Straftäter nichtdeutscher Herkunft sein.
  • Besprechen Sie Ihre Analyse am besten mit einer kompetenten Person aus dem Kollegium oder Freundeskreis.
  • Lassen Sie sich inhaltlich bei Ihren Vorbereitungen durch folgende Internetseite unterstützen:

    3. Das Unterrichtsgespräch

    • Kündigen Sie den Schülerinnen und Schülern zu Beginn an, dass (nur) ein Lied der CD angehört und darüber gesprochen werden wird.
    • Diskutieren Sie den Liedtext vor allem im Hinblick auf die Konsequenzen der darin getroffenen Aussagen für das Zusammenleben in der Gesellschaft und für den Einzelnen.
    • Bleiben Sie während des Gespräches ruhig und gelassen.
    • Sollte sich das Gespräch festfahren oder sollten Sie sich wider Erwarten argumentativ in die Enge getrieben fühlen, brechen Sie das Gespräch mit dem Hinweis ab, dass Sie das Gesagte noch einmal in Ruhe überdenken wollen. Dies können Sie auch den Schülerinnen und Schülern empfehlen. Dann sollten Sie einen Folgetermin festlegen.